Yoga um Trauma zu heilen?

Früher hätte ich gesagt es ist keine Heilung möglich, wir können nur besser damit leben. Nachdem ich, schon als Psychotherapeutin ausgebildet, einige Jahre damit verbracht habe mich in diesem Bereich fortzubilden, habe ich meine Meinung revidiert.
Trauma ist eine Frage von Regulation auf körperlicher und seelischer Ebene und einer möglichen Lösung eines fixierten unabgeschlossenen Zustandes. … und das ist sehr wohl möglich.

Yoga ist dabei ein unglaublich guter Weg auf verschiedenen Ebenen Heilung zu bewirken!

Dazu mein Video auf  YouTube


Über die Basics des Traumaseniblen Yogas:

Traumasensible Arbeit ist
  • individuelle Arbeit. Orientiert an dem was der Mensch dir berichtet und was sich über deine Wahrnehmung zeigt. Jede Traumatisierung wirkt anders im System des Menschen, und die offenen Themen sind sehr vielschichtig und unterschiedlich.
  • wahrnehmungsorientierte Arbeit. Es ergeht um eine positive Selbsterkundung, Selbstwahrnehmung und ein Spürbewusstsein für innere Prozesse (Interozeption)
  • eine Möglichkeit die eigene Selbstregulationsfähigkeit wieder her zu stellen/ zu stärken.
  • ressourcenorientiert!

Grundsätzliche Wirkprinzipien des traumasensiblen Yoga:

  1.  Bewegung statt Starre: Atem- und Körperbewegungen fördern das Gefühl, aus der Erstarrung herauszukommen und handlungsfähig zu werden
  2. Den gegenwärtigen Moment erfahren, im Hier und Jetzt bleiben
  3. Lernen effektive Handlungen ausführen: etwas zu tun, um sich sicherer, besser, angenehmer etc. zu fühlen
  4. Den Rhythmus des Körpers wahrnehmen: durch Atem und Bewegung eine Synchronizität im Körper und auch in der Yogagruppe zu erfahren
  5. Wiederholung: Sicherheit durch Bekanntes und Machbares erfahren
  6. Achtsamkeit: das Beobachten interozeptiver (innerlicher) Körpervorgänge

Ein erstes Ziel ist die Wiedererlangung von Interozeption

Als Interozeption bezeichnet man die Fähigkeit eines Lebewesens sich selbst von innen heraus zu erfassen und innere Prozesse des Körpers zu fühlen und benennen zu können. (Herzschlag, Atmung, Bewegung in Magen Darm …) Bei Menschen mit Traumaerfahrungen ist dieses oft nur schwierig oder gar nicht möglich. Meist sind es einzelne Teile des Körpers, die nicht mit dem Bewusstsein erfasst und Durchdrungen werden können. Interozeption ermöglicht eine kortikale Repräsentanz unseres körperlichen Selbst, die durch die Traumatisierung verloren gegangen ist. Die Menschen spüren sich nur sehr undifferenziert und die Wahrnehmung ist nicht formulierbar. Manche Körperteile sind wie taub oder stumpf.


Prinzipien und Ziele von selbstwahrnehmungsvertiefenden Übungen:

  • Selbstwahrnehmung führt zu Selbstwirksamkeit und führt zu Selbstregulationsfähigkeit
  • Nervengewebe kann wieder neu aufgebaut werden
  • Energie folgt der Aufmerksamkeit
  •  Sich selbst spüren gelingt nicht gut im stillen Raum, es braucht Reize, Anregung und Führung

Prinzipien der Übungen:

  • Spüren im Vorher /Nachher
  • Spüren mit Druck und Gegendruck
  • Spüren über die Bewegung
  • Spüren über Dehnung
  • Durch die Benennung wird das Erfahrene integrierbar
  • Spüren findet im real erfahrbaren und nicht im imaginativen Raum statt

Übungsbeispiele

  •  Gleichgewichtsverlagerung und ihre Wahrnehmung im Körper (siehe Anleitung 1)
  • Ansatzpunkt sind immer die interozeptiv erfassbaren Teile des Körpers. Wir gehen von dem Körperteil der fühlbar ist, z.B. Hände zum nicht zu durchdringenden Teil des Körpers
  • Schütteln/Druck spüren und die Veränderung wahrnehmen
    Positive und negative Erinnerungen vergleichen

Selbstregulation erlangen

  1. Grundsätzliche Übungen für bestimmte Ziele und Befindlichkeiten Loslassen/ sich aus einem Gefühl von Erstarrung befreien: Vorwärtsbeuge (wahrnehmungsorientiert angeleitet) … aus dem Stand oder aus dem Sitzen angeleitet, mit einer durch den Atem entstehenden Pendelbewegung
  2. Nähe und Begegnung zulassen: öffnende Atem- und Bewegungsübungen (z.B. Hände aneinander vor dem Körper, Ellbogen angewinkelt, Hände öffnen und schließen)
  3. Dissoziation: Abklopfen und Anfassen; Berghaltung (mit Muskelspannung)
  4. In intensive Gefühle hineinfallen/ sich selbst nicht spüren durch fehlende Körpergrenzen: Auraübungen, Armübungen an den Grenzen, Spürübungen am Widerstand
  5. Emotionale Taubheit: körperliche Aktivierungsübungen, Pendel- und Bewegungsübungen (siehe Skript, Stand und schwingen)